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Das kleine Kati Interview

März 26th, 2007 · No Comments · Bilderrätsel, Highlights, Interviews


© Suzanne G. - Kati Rickenbach in heiterer Signierlaune bei Götti & Niederer.

FumettoBlog®: Welcher Superheld / welche Superheldin sollte für die Comicswelt noch erfunden werden?

Kati: zeichnet

Paul. Ein Anti-Held. Er denkt meistens nichts. Paul trägt eine Baseball-Mütze und eine dicke Hornbrille. Er hat ein Flaumbärtchen, Pickel, unkontrollierte Hormonschübe und sein T-Shirt spannt ein wenig an den Oberarmen und um die Brust. Als Anti-Held deckt er - natürlich unbewusst - durch seine Passivität und Nichtbeteiligung am Weltgeschehen Missstände und Peinlichkeiten unserer leistungsorientierten Gesellschaft auf. Obwohl Paul die abgefahrensten Situationen erlebt, nimmt er diese nicht als solche wahr, sondern dümpelt einfach weiter durch sein Leben.

FB: Was sind Deine frühesten Zeichnungserinnerungen?

Kati: Mit etwa 4 Jahren war ich völlig auf Biene Maja versessen und zeichnete überall Bienchen hin. Sogar am Strand hab ich Majas in den Sand gekritzelt. Ich war dann immer total fasziniert, wenn die Wellen die Spuren verwischten und begann unermüdlich von Neuem zu zeichnen. Etwas später dann begeisterte ich mich für Einhörner. Meist sehr emotionale Einhörner, die innerlich immer tief bewegt und aufgewühlt schienen. Davon erschuf ich jeweils ganze Serien. Als ich dann schreiben lernte, zeichnete ich meinen ersten eigentlichen Comics - “Mitzi & Strolchi”. Die Protagonisten waren ein Hund und eine Katze, die ständig Streit hatten.


© Suzanne G. - Kati in der Luzerner Brasserie Bodu.

FB: Gibt es etwas, dass Du überhaupt nicht zeichnen kannst?

Kati: Ich kann keine Fahrräder zeichnen. Die sehen nur dann wie wirklich fahrbare Drahtesel aus, wenn ich sie von einer Vorlage abzeichnen kann. Überhaupt finde ich es schwierig, technische Dinge zu zeichnen, da es um die Wiedergabe festgefügter Formen geht. Menschen, Tiere… allgemein Organisches zu zeichnen, liegt mir da näher. Auch Abstrakta sind eher schwierig umzusetzen: In Hamburg hat uns Anke Feuchtenberger mal aufgetragen, in 10 Minuten eine Zeichnung davon zu machen, wie sich unser Mund von Innen anfühlt. Es fiel mir schwer, dies zu illustrieren.

FB: Leidest Du manchmal an künstlerischen Blockaden? Wenn ja, wie überwindest Du sie?

Kati: Absolut nicht. Ich habe sogar eher das gegenteilige Problem: Ich habe dauernd neue Einfälle und nicht genug Zeit, diese umzusetzen. Ich muss aufpassen, dass ich mich mit diesem regen Ideenfluss nicht selbst überfordere.

FB: Hat es Bekannte von Dir schon mal gestört, in Deinen autobiographischen Comics aufzutauchen oder wollten sie gar daraus entfernt werden?

Kati: Nein, eigentlich ist es für meine Freunde eher ein Kompliment als eine Qual, in meinen Comics eine Rolle zu übernehmen. Klar ist wohl vielen die Möglichkeit bewusst, in meinen Geschichten zu landen, wenn sie mit mir ausgehen. Negative Auswirkungen hatte dies auf mein Privatleben bisher jedoch noch nicht, sondern führt oft zu berührenden und bittersüssen Erfahrungen. Beispielsweise bat mich jemand kürzlich, ihn doch bitte mehr als nur ein Comics in meinem Leben sein zu lassen.

(Herzlichen Dank an Kati, an die Brasserie Bodu und an die Französische Revolution.)

Katis Werke sind noch bis 1. April bei Götti & Niederer in Luzern zu bewundern.

Links: Katis Website | Kati on Tour | ElectroComics

Und hier unser heutiges Rätselchen: Die erste Person, die uns per Email verraten kann, was Katis ursprünglicher Berufswunsch war (Hinweis hier) und wieviel die Tasse Kaffe z. Z. an der Bodu-Bar kostet (Hinweis im Bild oben - höhere bewusst verwackelte Auflösung), erhält die Originalskizze von Katis Anti-Helden “Paul” zugesandt. Betreff: “Kati”. Glück auf!

(EDIT: Herzliche Gratulation an Roger zum Zweiten!)

Die heutige FumettoBlog® Empfehlung beschränkt sich schlicht und ergreifend darauf, diesen Abend an die Buchvernissage von Milk & Wodka ins Bourbaki zu watscheln.

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